Superkraut
Tim Bengel
Spitzkohl und Planungsansicht Superkraut Skulptur, 2023, Foto: Arnold AG
Ein Kraut aus Edelstahl im Stadtraum
An der Rückseite des StadtPalais Stuttgart steht seit 2024 ein ungewöhnliches Objekt aus Edelstahl: Tim Bengels Superkraut ist rund 2,5 Meter hoch, wiegt etwa 520 Kilogramm und erinnert in seiner Form an einen gewachsenen Spitzkohl.
Gedruckt im WAAM-Verfahren, Schicht für Schicht, entstand die Skulptur über rund 130 Stunden. Danach folgten viele Tage Handarbeit. Erst durch die Politur über weitere 280 Stunden bekam die Oberfläche ihre ruhige, fast organische Wirkung.
Detailaufnahme der Skulptur während der Fertigung in unserer Halle, 2023, Foto: Arnold AG
Form, Oberfläche und die Spuren des Drucks
Aus der Nähe wird deutlich, wie stark das Werk von der natürlichen Struktur des Filderkrauts geprägt ist. Die einzelnen Lagen, die sich beim Wachstum eines Kohlkopfs über Jahre hinweg bilden, finden sich in der Oberfläche der Skulptur wieder. Linien, Übergänge und leichte Unregelmäßigkeiten wurden bewusst erhalten und nicht nachträglich geglättet. Sie erzählen vom Entstehungsprozess und vom Aufbau der Form.
Gerade diese Spuren verleihen dem Edelstahl eine besondere Tiefe. Das Material verliert seine technische Strenge und bekommt etwas Organisches. Je nach Lichteinfall verändert sich die Wirkung der Oberfläche, mal ruhig und geschlossen, mal lebendig und bewegt. So entsteht eine Nähe, die man bei Metall nicht erwartet und die dazu einlädt, stehen zu bleiben und genauer hinzusehen.
Einblick in den Schweißprozess der Skulptur, 2023, Foto: Arnold AG
Blick auf die fertige Skulptur, 2024, Foto: Pascal Bargon, Arnold AG
Tim Bengel´s Superkraut-Eröffnung im Museum StadtPalais, Stuttgart, 2024, Video: Ron Zander, Arnold AG
Ein Motiv mit regionaler Bedeutung
Inhaltlich ist das Superkraut eine bewusste regionale Hommage an die Hochebene südlich von Stuttgart und an ein Produkt, das hier seit Generationen zum Alltag gehört. Das Filderkraut steht nicht als dekoratives Stillleben, sondern als Sinnbild für Herkunft, Bodenständigkeit und regionale Kultur. Viele Menschen verbinden damit Erinnerungen an Küche, Marktstände oder Felder am Stadtrand. Genau diese Nähe macht das Motiv so zugänglich.
Durch den Standort zwischen Museum und Straße wird die Skulptur Teil des täglichen Stadtbilds. Sie begegnet Passanten beiläufig, ohne Erklärungstafel oder Schwelle. Wer vorbeigeht, stolpert im besten Sinne darüber und bleibt kurz stehen. So erreicht das Werk auch Menschen, die sonst nicht gezielt Kunstorte aufsuchen. Das Superkraut funktioniert damit nicht nur als Skulptur, sondern auch als stiller Gesprächsanstoß über Herkunft, regionale Werte und darüber, was wir als selbstverständlich wahrnehmen.
Hinter den Kulissen - Einblicke in unsere Fertigung, Video: Ron Zander, Arnold AG
Die erste Serie im kleineren Maßstab
Parallel zur großen Arbeit entstand eine Serie kleinerer Superkraut-Skulpturen. Die erste Serie misst rund 390 Millimeter in der Höhe und wiegt etwa 6,5 Kilogramm. Je nach Auslastung lagen die Druckzeiten zwischen fünf und sieben Stunden pro Stück, die Politur nahm etwa acht Stunden in Anspruch. Insgesamt wurden 30 Exemplare gefertigt.
Ergänzt wurde die Serie durch drei größere Varianten mit 590 Millimetern Höhe und etwa 15 Kilogramm Gewicht. Hier lag die Druckzeit bei rund 12,5 Stunden, die Politur bei etwa zehn Stunden. Trotz der unterschiedlichen Größen blieb die Formsprache identisch. Jede Skulptur wirkt vertraut und doch eigenständig – ähnlich wie Krautköpfe auf dem Feld, die nie ganz gleich aussehen.
Unsere herzlichsten Glückwünsche gehen an alle begeisterten Kunstsammler, die sich glücklich schätzen können, einen dieser außergewöhnlichen Kohlköpfe ihr Eigen nennen zu dürfen! Sie besitzen nun ein wahrhaft einzigartiges Kunstwerk aus streng limitierter Auflage – jedes Exemplar am Standfuß individuell mit Ihrem Namen graviert und von Tim Bengel persönlich signiert.
Besonders danken wir Tim Bengel, einem jungen, aufstrebenden Künstler, dessen Kreativität und frischer Blick uns maßgeblich geprägt hat.
Blick in die Produktion und letzte Handgriffe mit Tim Bengel, 2024, Fotos: Ron Zander, Arnold AG
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