Kristall - HVB Tower
Henn GmbH
Blick auf das Gerüst und die Unterkonstruktion des Kristalls während der Montage im HVB-Tower. Foto: HGEsch
Ein Denkmal neu denken
Der HVB-Tower gehört seit 1981 zur Silhouette Münchens. Das Hochhaus der Architekten Walther und Bea Betz steht unter Denkmalschutz, von außen durfte sich nichts verändern. Im Inneren hatten die Architekten freie Hand. Das Ergebnis: ein komplett neu gestaltetes Foyer mit dem Kristall als zentralem Element, das Mitarbeiter und Besucher vom ersten Schritt an in eine neue Arbeitswelt zieht.
Die geschweißten Stahlbauteile der Primärkonstruktion wurden vollständig im eigenen Haus geplant und gefertigt. Foto: HGEsch
Stahlskelett für eine Raumskulptur
Was auf den Baustellenfotos zu sehen ist, gibt einen Eindruck davon, was hinter der makellosen weißen Oberfläche steckt: eine hochkomplexe Stahlkonstruktion, bei der kein Bauteil dem anderen gleicht. Alle Flächen des Kristalls sind schräg zueinander gestellt, keine zwei parallel. Jedes Element der Primärkonstruktion haben wir im eigenen Haus geplant und gefertigt, auf Basis eines vollständigen parametrischen 3D-Modells, in dem selbst einzelne Schraubenverbindungen durchgeplant waren. Unser Projektleiter Christian Nochta bringt es auf den Punkt: „Wenn ich die Lobby betrete, zieht mich der Kristall regelrecht in die Mitte des Raums, meinen Blick nach oben und dann stockt mir der Atem.“
Die polygonalen Flächen des Kristalls aus mineralischem Verbundwerkstoff in Alpine White prägen das Bild der Büroebenen. Foto: HGEsch
Der Kristall dient nicht nur als gestalterisches Element, sondern gleichzeitig als Brüstung zum Atrium hin. Foto: HGEsch
Blick durch die Öffnung des Kristalls zum gläsernen Pultdach. Foto: HGEsch
Form folgt Geometrie
Die Kristallform war keine willkürliche Designentscheidung. Der HVB-Tower besteht aus drei Prismen, die Grundform des Objekts ergab sich daraus fast zwangsläufig. Über 17 Meter und drei Etagen öffnet der Kristall Sichtachsen zwischen den Geschossen, lenkt den Blick nach oben zum 114 Meter hohen Turm und dient gleichzeitig als Brüstung zum Atrium. Was trennt, verbindet gleichzeitig. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer präzisen architektonischen Idee, die wir technisch umgesetzt haben.
Der Kristall schafft Raum für Begegnung und Austausch auf mehreren Etagen. Foto: HGEsch
Das Foyer des HVB-Towers mit dem Kristall als zentralem Gestaltungselement, der den Blick unweigerlich nach oben lenkt. Foto: HGEsch
Unsichtbare Fugen, sichtbares Ergebnis
Henn Architekten hatte eine klare Anforderung: Die Bewegungsfugen der Verkleidung aus mineralischem Verbundwerkstoff sollten so weit wie möglich verschwinden. Unsere Lösung war eine zweigeteilte Unterkonstruktion. Eine primäre Ebene überträgt alle Lasten ins Bauwerk, eine sekundäre folgt der Verkleidungsfläche und nimmt thermische Ausdehnungen auf. Die unvermeidbaren Fugen haben wir in optische Ecken gelegt, wo sie kaum auffallen. Das Ergebnis ist eine fugenlose weiße Oberfläche, die den Kristall wie aus einem Guss wirken lässt.
Fugenlos und präzise. Die Übergänge sind kaum zu erkennen. Foto: HGEsch
Koordination als Kernleistung
Ein Objekt dieser Komplexität entsteht nicht alleine. Als Gesamtauftragnehmer haben wir alle Beteiligten koordiniert: 5D Engineering übernahm Ausführungsplanung, Statik und die behördliche Zustimmung im Einzelfall, Design-to-Production lieferte das parametrische Konstruktionsmodell, Rosskopf und Partner fertigten und montierten die Verkleidung aus HI-MACS Mineralwerkstoff. Dass ein Projekt ohne vergleichbares Referenzobjekt termintreu und ohne gestalterische Kompromisse fertiggestellt wurde, war das Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit.
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